Innere Freiheit
 

Autor: Kasüschke (2008)

Folgende Themen sind eingestellt und auch als pdf herunterladbar:

Aufbruch

Dankbarkeit

Lebenssinn

Innere Freiheit

Intrige

Krise

Neid

Transparenz

Vergangenheit

Werteverfall

 
 
Im Rahmen unserer Möglichkeiten bestimmen wir unser Schicksal. Dieser fundamentale Satz einer freiheitlichen Weltanschauung impliziert, dass Rahmenbedingungen mein Handeln einschränken. Aber diese einschränkenden Rahmenbedingungen, häufig herangezogen als Entschuldigung für unseren Misserfolg,  sind nicht nur in den äußeren Gegebenheiten zu suchen. Sie liegen vielfach in uns selbst und sind somit vor uns selbst zu verantworten.
Rudolf Dreikurs hat diese Einschränkungen unseres Handlungserfolges als die „Inneren Fesseln des Menschen“ bezeichnet. Diese Fesseln sind aber nicht als starre Ketten zu verstehen oder gar als „Innere Grenzen“, denn sie sind nicht nur jederzeit veränderbar, sondern sie sind auch flexibel ähnlich einem Gummiband, das uns in unseren Handlungen einschränkt, unseren Aktionsradius beschränkt und uns, je weiter wir es ausdehnen, Kraft kostet. Aber es sind Innere Fesseln, innere Bande, die wir uns selbst im Laufe unserer Entwicklung angelegt haben. Sie führen dazu, dass unsere Fähigkeiten und Möglichkeiten beschränkt bleiben, obwohl die objektiven Gegebenheiten mehr zulassen würden.
Unser innerer Zweifel an uns Selbst, unsere ständige Angst uns selbst nicht zu genügen, lässt uns die „Inneren Fesseln“ nicht abwerfen und unseren Aktionsradius erweitern. Wir nehmen hin, dass unsere Möglichkeiten eingeschränkt sind und suchen die Entschuldigung dafür in den äußeren Gegebenheiten. Denn die Erkenntnis über unsere eigenen Inneren Fesseln bleibt uns in der Regel verborgen.
Diese Inneren Fesseln zu überwinden, sie nicht nur zu lösen, sondern sie fortzuwerfen und damit uns von der inneren Befangenheit und Begrenztheit zu befreien, ist das Ziel. Denn dieses Ziel, die Innere Freiheit, ist für den Einzelnen die Möglichkeit zum Glücklichsein und für die Gemeinschaft der Weg in eine neue Kulturepoche.
Auch wenn das Ziel uns vor Augen liegt, und sogar die Notwendigkeit uns treibt, bleibt der Weg verschwommen - diffus. Ist es der Weg des Seiltänzers, der sich selbst verbrennt und damit den Weg der „Wenigen“ und „Seltenen“ geht? Gibt es eine Oase in einer neurotischen Welt, die es uns ermöglicht, innerlich frei zu leben? Oder muss erst die Wüste entgrenzt werden, um der Blume Innere Freiheit Platz zum Gedeihen zu geben?
Ist damit gleichzeitig „Der Weg zum Wir“ verbunden, mit der daraus abgeleiteten Notwendigkeit die Gesellschaft zu wandeln? Eine Gesellschaft, die scheinbar den Weg beschritten hat, die Gemeinschaft zu Gunsten des Individuums aufzulösen, ohne zu sehen, dass es die Gemeinschaft ist, die erst das Individuum unterscheidbar macht.
Welchen Weg soll die Individualpsychologie vertreten, um damit den Menschen Mut zu geben den Weg zu begehen?

Es ist der Weg der Inneren Freiheit auch innerhalb der Individualpsychologie: Vielfältigkeit zuzulassen!, die Meinung des Anderen nicht begrenzen, weder in der Diskussion noch in der Beratung ist der erste, aber notwendige Schritt zur Inneren Freiheit. Welchen Weg Wir aber beschreiten sollen, wird die Zeit uns lehren, wenn wir nicht im Augenblick verharren. Es lohnt sich!

Quellen:

  • Dreikurs; Rudolf: Selbstbewußt, 1987, Ernst Klett, Stuttgart (Erstausgabe 1971)

  • Heidegger: "Beiträgen zur Philosophie" (1936-38)

  • Marx, Karl: Das Kapital, Kritik der politischen Ökonomie, 1971, Cotta, Stuttgart (Erstausgabe 1867)

  • Rühle-Gerstel, Alice: Der Weg zum Wir, 1927, Verlag zum anderen Ufer, Dresden

  • Nietzsche, Friedrich: Also Sprach Zarathustra, Kröner, 1988 (geschrieben 1882-85)

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 19. Juli 2015