Krise
 

Autoren: Hoberg/Kasüschke (2006)

Folgende Themen sind eingestellt und auch als pdf herunterladbar:

Aufbruch

Dankbarkeit

Lebenssinn

Innere Freiheit

Intrige

Krise

Neid

Transparenz

Vergangenheit

Werteverfall

 
 
„Ich krieg´ die Krise“ - eine moderne Redewendung, die ein Lebensgefühl unserer Zeit umschreibt. Jede neue Situation, die tatsächlich oder auch nur vermeintlich von der erwünschten  Normalität abweicht, wird heutzutage als Krise bezeichnet. Dies mag  damit zusammenhängen, dass sich Normalität in den Medien nicht vermarkten lässt.  
Da stellt sich natürlich sofort die Frage, wieso Krisen ein solches Interesse hervorrufen und wieso Menschen empfänglicher für Informationen werden, wenn sie mit dem Etikett Krise versehen sind?
Es ist festzustellen, dass das Wort Krise immer mehr lediglich einen bestimmten Zustand bezeichnet und zwar immer einen, der als negativ oder bedrohlich angesehen wird. Ob es sich um  Börsenkrise, Energiekrise, Landwirtschaftkrise, IT-Krise oder jegliche Art von politischer Krise handelt,  es wird der tatsächliche oder vermeintliche Missstand mit dem Wort Krise versehen und so oft auf ein Maß an Bedeutung angehoben – oder auch reduziert – welches dem tatsächlichen Sachverhalt nicht angemessen ist. Ich halte dies für eine sehr bedenkliche Entwicklung, da sie meiner Meinung nach den steigenden Angstpegel in unserer Gesellschaft belegt. Um so mehr, als wir gleichzeitig eine verstärkte Flucht aus der Realität feststellen können. Die immer schneller fortschreitende Veränderung der Lebensbedingungen (Stichwort Globalisierung) verursacht Angst und lässt viele in eine ersehnte Harmonie flüchten, in der sie Gemeinschaft erleben möchten. Der Zulauf  zur Volksmusik oder die Love-Paraden sind nur zwei Ausprägungen unserer Flucht(versuche) in ein Stückchen harmonische, krisenfreie Welt.
Wenn wir uns die griechische Bedeutung des Wortes Krise (griech. Krisis.: Entscheidung, Wendepunkt) vor Augen führen, und die allgemeine Definition: Wichtiger Abschnitt eines psychologischen Entwicklungsprozesses, in dem sich nach einer Zuspitzung der Situation der weitere Verlauf entscheidet.... ("Der neue Brockhaus (1979)" 6. Auflage, 3. Band, S. 271 ), hinzuziehen, so zeigt sich,  dass der Aspekt des Entwicklungsprozesses ebenso in den Hintergrund getreten ist, wie die Tatsache, dass über die Art des  Verlaufs nach dem Wendepunkt zunächst noch nichts gesagt ist.
Gefangen in der eingeengten Sicht der aktuellen Situation und der als bedrohlich empfundenen Zukunft, wird die Chance der positiven Entwicklung außer Acht gelassen. Die Fähigkeit, eine Krise als Chance zu bewerten, die lediglich ein Übergangsstadium zwischen zwei Zuständen ist, scheint allgemein immer mehr zu schwinden. Zwar wird viel von der Notwendigkeit zur Reform in Eigenverantwortung gesprochen. Abschottungs- und Beharrungstendenzen reduzieren aber diese Reformbestrebungen auf Lippenbekenntnisse.
Die Individualpsychologie,  die sich  die Ermutigung des Menschen zur Aufgabe gemacht hat, bietet hier wertvolle Hilfe an.  Der ermutigte, selbstständige Mensch wird eine Änderung seiner Lebensumstände eben nicht ausschließlich als Bedrohung sehen, sondern auch die Chancen erkennen, die damit verbunden sind. Ein chinesisches Sprichwort sagt:
„Wenn der Wind des Wandels weht, bauen die einen Mauern, die anderen Windmühlen.”  Lassen Sie uns im Rahmen unserer Tätigkeit dazu beitragen, dass möglichst viele Menschen „Windmühlen bauen“ können.
Es lohnt sich.
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letzte Änderung der Seite:
 19. Juli 2015