Neid
 

Autoren: Hoberg/Kasüschke (2009)

Folgende Themen sind eingestellt und auch als pdf herunterladbar:

Aufbruch

Dankbarkeit

Lebenssinn

Innere Freiheit

Intrige

Krise

Neid

Transparenz

Vergangenheit

Werteverfall

 
 

„Was uns angeht, möge uns ohne Vergleich erfreuen; niemals wird der glücklich sein, dem eines anderen größeres Glück Qual bedeutet.“ Soweit der römische Philosoph Seneca, der damit Neid und Missgunst eine klare Absage erteilt.
Leichter gesagt als getan, denn auch bei unrealistischer Selbsteinschätzung wird wohl kaum jemand von sich behaupten können, nicht schon einmal Neid verspürt zu haben. Seneca benennt klar, was der Gefühlsregung vorausgehen muß, nämlich der Vergleich, also  die Feststellung „Ich habe/bin/kann etwas nicht, was ein anderer hat/ist/kann“.
Bleiben wir bei Adler, der sagt, dass wir uns immer im Kontext zu unserer Umgebung wahrnehmen und unsere gefühlte Minderwertigkeit uns dazu bringt, nach Ausgleich bzw. Überlegenheit zu streben. Der Vergleich gehört also zu uns – ist ein Teil unserer Wahrnehmung.
Der Unterschied liegt vielmehr in der gefühlsmäßigen Bewertung. Bringt uns die eigene Entmutigung dazu, in Abwendung von dem anderen / von der Gemeinschaft etwas für uns zu wünschen was ein anderer hat oder kann, sind wir also neidisch? Oder gehen wir sogar soweit, dass wir uns gegen den anderen / die Gemeinschaft wenden und dem anderen etwas missgönnen? Ist unsere Haltung, dass ein anderer nicht haben können darf, was wir nicht haben? Jammern wir also, sozusagen im Sandkasten sitzend, darüber, dass unsere Spielkameraden mit den schöneren Förmchen spielen, oder gehen wir hin und machen die Förmchen kaputt, damit unsere Spielkameraden sie auch nicht haben?
Ein resignierendes Neiden ebenso wie ein aggressives Missgönnen sagt uns also etwas über den Grad der Entmutigung des betreffenden Menschen.
Übertragen auf den Zustand einer Gesellschaft heißt dies im Umkehrschluß, dass eine mutlose Gesellschaft immer  anfällig ist für Neid und Missgunst. Man kann dies beklagen und moralisch bewertend über unsere heutige Neidgesellschaft lamentieren – mehr als ein schlechtes Gewissen bei dem einen oder anderen wird sich damit aber nicht erreichen lassen.  Hilfreicher ist es, darauf zu achten, was uns gerade mutlos macht, wenn wir wieder einmal Neid verspüren. Suchen wir die Ermutigung, Neid und Missgunst werden dadurch der Nährboden entzogen.
Es lohnt sich. . .

Dieser Inhalt ist unter einer Creative Commons-Lizenz lizenziert
 
 
(c) ViBD e.V.  

letzte Änderung der Seite:
 19. Juli 2015