Transparenz
 

Autoren: Hoberg/Kasüschke (2006)

Folgende Themen sind eingestellt und auch als pdf herunterladbar:

Aufbruch

Dankbarkeit

Lebenssinn

Innere Freiheit

Intrige

Krise

Neid

Transparenz

Vergangenheit

Werteverfall

 
 
Der Begriff „Transparenz“ wird im täglichen Sprachgebrauch verwendet um auszudrücken, dass etwas klar erkennbar sein soll. Es wird Transparenz hinsichtlich der Einkommen von Politikern gefordert und wenn es darum geht, Missstände jeglicher Art aufzudecken, spricht man davon, etwas transparent zu machen.
Auch im Zusammenhang mit Coaching und Beratung ist der Begriff Transparenz gebräuchlich. Die Vorgehensweise des Beraters soll erkennbar sein, um durch diese Erkennbarkeit eine Überprüfung zu ermöglichen. Grenzen sind natürlich da zu ziehen, wo entweder gesetzliche Bestimmungen oder Rechte der Mitmenschen verletzt werden. Es geht ja nicht darum, dass jeder jederzeit alles von seinen Mitmenschen wissen darf, sondern dass bei einem gleichwertigen Miteinander innerhalb zu akzeptierender Grenzen offen und wahrheitsgemäß kommuniziert wird. Nicht der gläserne Mensch ist erstrebenswert, sondern der Erkennbare. 
Interessanterweise wird der Begriff Transparenz zum Beispiel in der Computer- und Nachrichtentechnik in einer Bedeutung verwendet, die dem üblichen Verständnis genau entgegengesetzt ist. Als transparent bezeichnet man dort nämlich etwas, was zwar vorhanden ist und genutzt wird, aber dabei für den Anwender in keiner Weise erkennbar ist. (Wikipedia) In diesem Sinne würde also jemand, der etwas transparent macht, zwar in seinen Handlungen erkennbar sein, aber die Hintergründe und näheren Umstände seines Tuns vor den anderen verbergen. Ich mache etwas transparent heißt, ich mache es für andere nicht sichtbar.
Wir wollen hier jedoch bei der geläufigsten Definition bleiben, d.h. Transparenz im Sinne von Offenheit und Klarheit. Vor diesem Hintergrund darf Transparenz aber nicht gleichgesetzt werden mit Authentizität, also Echtheit. Während die Authentizität Ausdruck der Grundhaltung des Menschen ist – und der Mensch als unecht empfunden wird, wenn er sich zu verstellen sucht – ist Transparenz lediglich Werkzeug. Wie bei jedem Werkzeug lässt sich somit die Einsatzart nur an der Finalität des Handelns bestimmen. So kann das „Werkzeug Hammer“ zum Hausbau genutzt oder als Waffe missbraucht werden. So kann auch das „Werkzeug Transparenz“ zu einem Werkzeug der Erfüllung der eigenen negativen Finalität verkümmern.
Transparenz ist somit kein Wert im ethischen Sinne, sondern vielmehr Vehikel. Folgerichtig ist der Begriff Transparenz nicht ein ethischer Grundsatz unseres Handelns, sondern eine Handlungsrichtlinie im Zusammenhang mit fairem Umgang und Wettbewerb der Menschen untereinander.
Die häufige Benutzung der Worte „Ich liebe Dich“ lässt nicht Liebe entstehen, sondern nährt eher Zweifel an dem vermeintlich Intendierten. Erst „die innigste Hingabe an einen Partner“ (Adler, 1931) lässt die ungesagten Worte „ich liebe Dich“ beim Gegenüber erspüren. Ähnlich bei der Benutzung des Begriffes Transparenz. Menschen, die den Begriff Transparenz vor sich herführen, sind nicht damit automatisch authentisch. Ein Coach oder Berater kann seine Arbeitsweise dem Klienten noch so häufig und detailliert beschreiben, wenn er dabei nicht als authentisch empfunden wird, bleibt immer ein Zweifel, der zur Suche nach dem führt, was vermeintlich verborgen wird.

Authentische Menschen benötigen nicht das immer währende Postulat ihres transparenten Handelns, denn Echtheit des Handels wird vom anderen erlebt. Wir sollen nicht über Transparenz beim anderen reden, sondern selbst echt und damit zwangsläufig erkennbar sein. Denn erkennbar zu sein entlastet uns und andere im täglichen Miteinander.
Es lohnt sich.
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letzte Änderung der Seite:
 19. Juli 2015