Vergangenheit
 

Autoren: Hoberg/Kasüschke (2006)

Folgende Themen sind eingestellt und auch als pdf herunterladbar:

Aufbruch

Dankbarkeit

Lebenssinn

Innere Freiheit

Intrige

Krise

Neid

Transparenz

Vergangenheit

Werteverfall

 
 
„Die Vergangenheit ruhen lassen“, „Was vorbei ist, ist vorbei“ „Das ist Schnee von gestern“. Redewendungen wie diese kennen wir alle. Sie drücken aus, dass wir etwas hinter uns Liegendes als nicht mehr änderbar ansehen und daher nicht mehr daran rühren wollen. Aber ist das überhaupt möglich?
Ob wir wollen oder nicht, so tragen wir doch die Vergangenheit ständig mit uns herum und zwar als Teil  unseres Lebensstils.
Aber nicht nur Einzelpersonen haben eine Vergangenheit, mit der sie sich auseinandersetzen müssen, sondern auch Gesellschaften, Gruppen und Gemeinschaften haben ihre historischen Wurzeln  -  eine Vorgeschichte. Politische, kulturelle, religiöse oder weltanschauliche Ansichten und Gegebenheiten sind in einer Zeit mit ihren spezifischen Problemen entstanden und können nur im historischen Zusammenhang verstanden werden. Dies gilt ebenso für die Individualpsychologie Alfred Adlers. Sie ist von Dreikurs, Grunwald, Tymister  und anderen weiterentwickelt worden. Auf der Basis der Adlerischen Gedanken die historische Begrenztheit zu verlassen, heißt, Erklärungs- und Lösungsansätze für Probleme zu bieten, die eben in der Form in früheren Zeiten nicht vorhanden waren.  Zur Zeit Alfred Adlers waren Globalisierung, Single-Haushalte oder Patchwork-Familien kein Thema, und auch der Begriff des weiblichen Protestes war Anfang des 20. Jahrhunderts kein Begriff, der für Adler eine gesellschaftliche Relevanz hatte.
Individualpsychologie ist nicht Selbstzweck oder Dogma – sondern ein Hilfsangebot an Menschen, ein erfüllteres Leben in der Gemeinschaft zu führen. Und diese Gemeinschaft unterliegt einer ständigen Veränderung. Je nach Mutpegel werden wir allerdings versuchen, den Status Quo zu konservieren und damit in der Vergangenheit leben. Damit bestätigt sich der bekannte Spruch „Das Bessere ist der Feind des Guten“. Nun bleibt aber die Welt um uns herum nicht stehen. Unmerklich kann so ein Teufelskreis entstehen, in der der  Einzelne um so intensiver die Vergangenheit sucht, je mehr Veränderungen auf ihn einstürmen.
Ebenso wenig, wie  Vergangenes konserviert werden kann, lässt  sich die Vergangenheit   wegschließen oder verdrängen. Sicherlich ist es verlockend, dies zu tun, wenn sie als Hypothek empfunden wird. Der Preis dafür ist ein unvollständiges Verständnis für sich selbst und das eigene Verhalten. Übertragen auf eine Staatengemeinschaft heißt dies, dass eine unbewältigte Vergangenheit immer als Belastung wirksam sein wird. Wir verfolgen eine Vermeidungsstrategie um nicht an Vergangenes erinnert zu werden und engen damit unseren aktiven Handlungsspielraum ein.
„Morgen wird Heute bereits Vergangenheit sein“.  Somit liegt es an uns,  durch unser heutiges Handeln eine Vergangenheit zu schaffen, auf der eine positive Zukunft aufbauen kann. Die Vergangenheit ist ein Fundament, das es uns ermöglicht, nicht in der Vergangenheit, sondern aus der Vergangenheit heraus zu leben und uns und die Gesellschaft weiter zu entwickeln.

Unsere Vergangenheit liegt vor uns. Gestalten wir sie. Es lohnt sich.

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letzte Änderung der Seite:
 19. Juli 2015